Demografischer Wandel

Der demografische Wandel in Deutschland

Deutschland altert – so wie viele der westlichen Industrienationen. Bis Mitte diesen Jahrhunderts wird die Zahl der über 60-Jährigen in der Bundesrepublik um zehn Millionen steigen. Gleichzeitig sinkt die Zahl derer, die Rentenbeiträge zahlen. Das Heer der 20- bis 67-jährigen Beitragszahler schrumpft. Und zwar um 16 Millionen. Immer weniger Erwerbstätige müssen ein wachsendes Heer von Rentnern finanzieren.

Außerdem werden die Ruheständler immer älter und beziehen natürlich länger Rente. Nur als Beispiel: 2007 erhielten 10.669 Rentner, die 100 Jahre oder älter waren, eine gesetzliche Rente. Sechs Jahre zuvor waren es gerade einmal halb so viele.

Lebenserwartung und Geburtenentwicklung

Wer um 2060 geboren wird, hat laut Prognose des Statistischen Bundesamts (November 2009) eine erheblich höhere Lebenserwartung: Jungen werden im Schnitt 85 Jahre und damit acht Jahre älter als heute. Mädchen bringen es sogar auf 89.2 Jahre und damit sieben zusätzliche Lebensjahre.

Trotz steigender Lebenserwartung wird die Zahl der Sterbefälle bis Anfang der 2050er Jahre zunehmen. Das liegt daran, dass die stark besetzten Jahrgänge allmählich ins hohe Alter vorrücken.

Geburtendefizit nennen die Statistiker die Zahl, um die Todesfälle die Geburten übersteigen. Und das wird in Deutschland immer größer: Bis zum Jahr 2060 wird das Geburtendefizit auf mehr als das Dreifache zunehmen.

Der Grund: Die konstant niedrige Geburtenzahl hat den Kreis potenzieller Mütter schrumpfen lassen. Solange heutige Mädchen als Erwachsene im Schnitt weniger als 2,1 Sprösslinge in die Welt setzen, sinkt die Zahl der Kinder zwangsläufig weiter.

Demografischer Wandel - die Alterspyramide

Zu- und Abwanderung

2060 leben in Deutschland laut Statistischem Bundesamt voraussichtlich nur noch 65 bis 70 Millionen Menschen – statt der 82 Millionen im Jahr 2008.

2008 bestand die Bevölkerung zu einem Fünftel aus Kindern und jungen Menschen unter 20 Jahren. Drei Fünftel der Bevölkerung war zwischen 20 und 65jährig und ein Fünftel 65 und Älter. Anders sieht es in fünfzig Jahren aus: 2060 wird bereits jeder Dritte Deutsche mindestens 65 Jahre alt sein. Die Zahl der 70-Jährigen ist doppelt so hoch wie die Zahl der neu geborenen Kinder.

Auch Zuwanderer können den bevorstehenden Bevölkerungsrückgang nicht wieder wettmachen. Auch die Bevölkerung im Erwerbsalter altert deutlich und schrumpft. Heute gehören knapp 50 Millionen Menschen dieser Altersgruppe an. Ihre Zahl wird erst nach 2020 deutlich zurückgehen und 2035 etwa 39 bis 41 Millionen betragen. 2060 werden dann etwa 36 Millionen Menschen im Erwerbsalter sein, falls jährlich etwa 200 000 Personen nach Deutschland ziehen. Werden es weniger – zum Beispiel die Hälfte –, sinkt 2060 das Erwerbspersonenpotenzial um weitere 3 Millionen auf knapp 33 Millionen.

Andererseits offenbart die Zuwanderung einen ganz anderen Aspekt der Alterung: den Fachkräftemangel. Schon heute funktioniert in der Gesundheitsbranche nichts mehr ohne ausländische Arbeitskräfte. Das wird in Zukunft noch extremer. So rechnet ein Bericht des Sachverständigenrats der Bundesregierung für Zuwanderung aus dem Jahr 2004 mit Engpässen unter anderem im Gesundheitssektor. Ärzte, Krankengymnasten, Apotheker, pharmazeutisch-technische Assistenten werden knapp. Genauso wie Ingenieure und einige Dienstleister, zum Beispiel Lebens- und Sachversicherungsfachleute und entsprechend qualifizierte Handelsvertreter. Zuwanderung könnte diesen Fachkräftemangel zumindest teilweise beheben.

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